Serie Podcatcher, Teil 2: Castro

Seit Sonntag dem 14.6.2015 ist bekannt, dass vemedio und damit Instacast, einer der beliebtesten Podcatcher für iOS und OS X die Segel streichen. Viele Menschen verlieren damit den zentralen Knotenpunkt ihres Podcastkonsums, das geliebte Herzstück vieler Abonnements.

Jammern und Klagen hilft nicht, es muss – möglichst kurzfristig – ein neuer Podcatcher ins Haus. Welche Alternativen sich anbieten, worauf man für sich achten muss und welche Abstriche gemacht werden müssen, darauf möchte diese kleine Serie eingehen, die heute mit Castro von Supertop weitergeht.


Vorschau: Was kommt nach Instacast?
1. Teil: Pocket Casts
2. Teil: Castro
3. Teil: Podcat


Castro

Castro

Castro dürfte ein gutes Stück Richtung Gegenteil des gestern besprochenen Pocket Casts gehen. Die App der Firma Supertop aus „Vancouver, Canada & Dublin, Ireland“ hat sich den Anspruch ins Pflichtenheft geschrieben, leicht zu verstehen und möglichst wenig nervig zu sein. Ob das auch zu Abzügen in der B-Note führt, müsst Ihr Euch natürlich selbst beantworten.

Ich erinnere mich, dass Castro für ein paar Tage in meiner Twitter-Timeline ziemlichen Aufruhr verursachte. Ich habe mir die App damals schon geholt und auch eine Weile benutzt.

 

Die Migration

Aber auch heute sollten wir vorne anfangen. Die Migration aus Instacast heraus solltet Ihr inzwischen drauf haben. Wenn nicht, lest hier noch einmal nach. Wählt am Ende des Exports „Castro“ als Ziel der Abos aus. Der Import danach ist erfreulich flott. In nicht ganz einer Minute war der Spuk vorbei und erledigt. Schön!

Wie auch bei Pocket Casts solltet Ihr vor dem Export in den Einstellungen Castros den automatischen Download abschalten, sonst wird’s vielleicht unschön.

Los geht’s!

Castro Startseite

Castro Startseite

Der Startschirm bei Castro ist auch schon praktisch alles, was Ihr zu sehen bekommt, wenn Ihr nicht gerade eine Episode abspielt oder in der Liste eines Podcasts seid. Dieser Startbildschirm bietet vier wesentliche Optionen: Die Liste aller Feed, die Liste aller ungehörten Episoden, die Settings und das Standard-Plus, um einen Feed hinzuzufügen.

Solltet Ihr gerade eine Episode abspielen, findet sich unten der Miniplayer wie auch bei Pocket Casts oder Instacast. Fangen wir mit den Settings an, denn hier verbergen sich auch schon alle Features dieses Podcatchers.

Hier lassen sich die Abspielgeschwindigkeit und ein Sleeptimer einstellen. Wer mit Podcasts einschläft, frisst übrigens auch kleine Kätzchen. Es sei denn, es handelt sich um den Einschlafen Podcasts.

Auch Castro kennt die zwei Konzepte ‚Download‘ und ‚Stream‘ und so kann man einstellen, ob das eine oder andere der Standard ist und ob man das nur im WLAN oder immer haben möchte. Eine Liste für nächste Podcasts gibt’s nicht, dafür kann man Castro sagen, dass am Ende einer Episode einfach zur chronologisch nächsten springen soll.

Darüber hinaus kann man Castro anweisen, sowohl Downloads als auch den Feedrefresh nur im WLAN auszuführen und wieviel Speicherplatz man für heruntergeladene Folgen maximal nutzen möchte. Die Einstellungen für Notifications sind natürlich auch vorhanden, ohne wäre ein Podcatcher wirklich traurig dran…

Wenn Ihr das Fenster eines Podcasts öffnet, in der Podcastliste natürlich, zeigt sich eine Liste aller Folgen des Podcasts. Hier könnt Ihr praktisch nichts tun. Eine Episode anklicken und hören oder die individuellen Settings des Podcasts einstellen. Die beschränken sich wiederum auf automatisches Herunterladen, den Newsmodus, der bei einer neuen Folge die letzte löscht, auch wenn sie noch nicht gehört wurde und eine individuelle Abspielgeschwindigkeit.

Lasst uns was hören!

Castro Episode

Castro Episode

Die Episodenliste erreicht man aus dem Startschirm, indem man auf – Überraschung – „Episoden“ klickt. Diese Liste ist fix und nicht konfigurierbar. Sie zeigt die Folgen in der Reihenfolge der Veröffentlichung an, die neuesten zuoberst. Ein Klick auf eine Folge öffnet das Folgenfenster, das mit der Hauptfarbe des Podcastlogos unterlegt wird. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber eigentlich ganz nett.

Hier könnt Ihr die Folge herunterladen, streamen oder auch als gehört markieren. Im Screenshot seht Ihr übrigens, dass Castro – wie fast alle Podcatcher – auch Livesendungen streamen können. Ein unterschätztes Feature, wie ich finde.

Unterhalb der Kontrollfelder finden sich die Shownotes, ganz unten wieder ein Miniplayer. Das war’s leider auch schon, denn Kapitelmarken werdet Ihr vergebens suchen. Die gibt es in Castro nicht.

Die einzig zu erwähnende Eigenschaft Castros an dieser Stelle wäre noch das Scrubbing. Das erreicht Ihr über die zwei Griffe links und rechts im Miniplayer, der dann das komplette Kontrollelement darstellt. Ihr bewegt also den kompletten Player!

Unterstützung

Die gängigen Audioformate MP3 und AAC werden natürlich unterstützt, das liegt auch eher am iOS selbst. RFC 5005 oder auch nur Kapitelmarken gibt’s nicht, in sofern ist das alles etwas dünne. Flattr? Fehlanzeige :(

Eindrücke

Wir kommen schnell voran, was? Nun, das liegt in der Natur dieser App. Sie will reduziert auf das Nötige sein und nicht mit „unnötigen“ Möglichkeiten verwirren. Keine Episodenfilter, keine Sortierung, keine Features über das Hören der Episoden hinaus.

Das kann gefallen. Vor allem, wenn man einerseits einen Boliden wie Pocket Casts nutzt und dann hin und wieder in Situationen kommt, in denen man genau das haben möchte. Es ist durchaus denkbar, dass man – hat man gerade ausreichend Zeit und Muße – den Boliden nutzen möchte und dann draußen im ÖPNV lieber den reduzierten Client. Wenn man dann noch geschickt seine Feeds trennt und die für unterwegs nur in Castro sammelt (tägliche Podcasts z.B.), dann kann das durchaus ein denkbares Konzept sein.

Ich gestehe: Ich mache das schon eine Weile. Zwecks Autoflattr habe ich zwar alles noch einmal in Instacast (bescheuert, was? Ich spiele die dann noch einmal ab und gehe zum Ende, damit das triggert…), aber was macht man nicht alles.

Der reduzierte Ansatz ist wirklich entspannend hin und wieder. Castro macht das ganz gut, die Typografie hat hier zwar einen ähnlichen Mangel wie Pocket Casts – die Schrift ist mir hier zu quadratisch – aber ich will hier ja gar nicht viel lesen.

Die Orientierung der Gestaltung im Episodenfenster an der Hauptfarbe des Logos ist nett, aber für mich unnötig, denn es bietet keinen Mehrwert in der Orientierung. Ist nur schön, sonst nix. Kann ja auch mal nett sein ;-)

Die Reduzierung bringt natürlich einen deutlichen Geschwindigkeitsvorteil. Wo nicht viel dargestellt wird, kann auch nicht viel Leistung gezogen werden. Das Interface ist angenehm flott und responsiv. Das macht Spaß! Ich habe leider ein paar Abstürze erlebt, vor allem beim Hinzufügen eines Feeds, während man im Verzeichnis sucht.

Fazit

Castro ist genau das was Ihr möchtet, wenn Ihr nicht belästigt werden möchtet. Wenn Ihr einfach nur hören und dabei nicht allzu vielen Feeds Eure Aufmerksamkeit widmet. Auch wenn meine 163 Feeds problemlos gefressen werden und hier nichts ruckelt, fehlen doch viele Dinge wie Operationen auf ganze Listen (gehört, Download löschen etc…).

Im Ende bleibt Castro ein Podcatcher für Gelegenheitshörer mit kleinem Portfolio. Das Konzept des Zweitpodcatchers hingegen könnte Castro aber durchaus auch für Poweruser interessant machen. Denkt mal drüber nach.

Daten

  • App: Castro
  • Hersteller: Supertop
  • Plattformen: iOS (3,99€)

4 Comments

  1. Pingback: #gt3115 Das Ferkel badet nicht » #GeekTalk Podcast

  2. Schöne Serie. Freue mich schon auf die Episoden zu Downcast und Overcast.

    Ich habe vor Jahren mit Downcast angefangen und diesen lange benutzt. Als dann Pocket Casts 4 rauskam, bin ich auf diesen gewechselt, da er ein schönes, reduziertes Design hat ohne dabei Funktionalität wegzulassen. Mit Erscheinen von Overcast bin ich dann letztlich auf diesen gewechselt und noch heute dort.
    Castro habe ich mal ausprobiert, aber er ist in meinen Augen ein (Fast-)Nichtskönner in schönem Kleid. Wenn man kaum Features bietet ist es natürlich leicht ein schönes, minimalistisches Design zu erstellen. Da hat Pocket Casts m.E. nach einen besseren Job gemacht.
    Das für mich entscheidende bei der Wahl eines Podcastclients ist die Art und Weise, wie ich Podcasts höre und inwieweit mich der Podcastclient dabei unterstützt. Ich habe zwischen 20-30 Podcasts aboniert und höre diese meist in einer bestimmten Reihenfolge. Daher brauche ich zwingend die Möglichkeit die Reihenfolge der geladenen Episoden zu sortieren. Castro kann das gar nicht (außer nach Datum/Uhrzeit), Downcast hat 10 Prioritätsstufen und bei Overcast kann man die Reihenfolge jedes einzelnen Podcasts festlegen. Optimal! Bei einer größeren Anzahl von abonierten Podcasts dürften Playlists zwingend sein. Also z.B. eine Playlist für Tech-Podcasts, eine für Laber-Podcasts usw.. Auch das kann Castro nicht. Downcast und Overcast schon. Letzlich bietet mir persönlich Overcast den besten Kompromiss aus Features, Design/Benutzerfreudlichkeit und Stabilität.
    Bin also mal gespannt auf deine Einschätzung zu Downcast und Overcast.
    Ciao,
    Olfi

    • An Downcast arbeite ich. Sollte eigentlich der nächste in der Reihe sein, aber ich komme damit nicht voran. Vielleicht ziehe ich die PodCat vor.

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