Was kommt nach Instacast?

In ziemlich genau zwei Wochen wäre meine Mitgliedschaft im Cloudclub von Instacast verlängert worden. Dieser angenehme Platz an der Podcastsonne wurde mir nun genommen, denn Instacast geht mitsamt dem Rest von vemedio unter.


Vorschau: Was kommt nach Instacast?
1. Teil: Pocket Casts
2. Teil: Castro
3. Teil: Podcat


instacastAm 14. Juni 2015, einem sonnigen Sonntag mit Aussicht auf lecker Grilles am Abend, verkündete Martin diese traurige wie folgenschwere Entscheidung. Seit 2012 begleitete mich diese App nun durch Dick und Dünn und ebenso begleitete ich sie durch alle Höhen und Tiefen. Nur kurz, irgendwann 2013, als Instacast auf dem 4S nicht mehr nutzbar war, machte ich zwei Monate Zwangspause. Mit dem 5S fanden wir dann aber glücklicherweise wieder zusammen.

Alles Jammern hilft nicht und ich werde an dieser Stelle nicht erörtern, wie es dazu kam, ob das alles doof ist und ob es zu verhindern gewesen wäre. Wenn Du nicht gerade ein paar zehntausend Euro auf Martin werfen kannst und magst, muss die Frage vielmehr lauten:

Was nun?

Welche Auswirkungen das Fehlen der App, bzw. der Infrastruktur dahinter für die produzierende Szene bedeuten könnte, hat @leitmedium bereits aufgegriffen. Vor allem der Verlust der Autoflattr-Funktion ist herb.

Mir soll es an dieser Stelle aber um die Menschen gehen, die Instacast nutzen: Podcastkonsumenten. Ja, Du bist gemeint!

Der Podcatcher ist des Hörers und auch der Hörerin heiligstes Werkzeug. Es wird gehegt, gepflegt und mit nahezu religiösem Eifer gegen Andersdenkende verteidigt. Und sollte das Werkzeug einmal unbrauchbar werden, wird das mit lautstarkem Liebesentzug und gebrochenem Herzen quittiert.

Religionskriege bleiben hier außen vor. Die Geschmäcker sind so verschieden wie die Einsatzgebiete und -situationen. Je nach Uhrzeit, Ort und Menge oder auch Art der bevorzugt gehörten Podcasts wird der eine oder andere Podcatcher bevorzugt. Der eine Hörer will möglichst viel Macht über die von ihm erbeuteten Audiodateien haben, die andere Hörerin wiederum will nicht mit Details belästigt werden und einfach nur mit zwei Gesten auf dem Display zum Inhalt gelangen.

Dann gibt’s wieder die Vielhörer, die auf fünf unterschiedlichen Geräten konsumieren, es gibt die Maximalkonsumenten mit über hundert abonnierten Feeds und auch die, die die am liebsten jeden Satz mit Kapitelmarken versehen hätten.

Alles davon hat seine Berechtigung und die Vielfalt der Konsumvarianten ist so groß wie die der Hörer selbst. Darüber zu diskutieren ist so müßig wie unergiebig. Ich werde alles Folgende vor allem aus meiner Sicht beschreiben, andere Konsumvarianten aber wenn möglich bedenken und auf Vor- und Nachteile dafür hinweisen.

Eine Einschränkung hat das alles hier jedoch: Ich kann nur über die aktuell verfügbare Software für iOS reden. Ein Androidgerät besitze ich im Grunde nicht (ich zähle meine Amazongeräte nicht dazu). Hat jemand lesbares Material zum Thema Android, bin ich gerne bereit, an dieser Stelle darauf zu verlinken oder auch Platz in diesem Blog dafür zu schaffen.

Bevor wir loslegen, ist es an Dir, ein paar

Fragen

zu beantworten. Ich will keine Antworten. Du willst sie, denn je nach Hörgewohnheiten musst Du die einen oder anderen Features und Eigenheiten der Podcatcher einordnen. Fangen wir an:

1. Hast Du viele Podcasts abonniert?

Mit viel meine ich viel. Nicht zehn oder zwanzig Feeds. Ich rede von Zahlen deutlich über 50, eher über 100. Ja, solche Menschen gibt es. Mich zum Beispiel mit aktuell 165 abonnierten Feeds. Und damit bin ich noch nicht Deutschlands fleißigster Hörer. Ich habe schon Menschen mit an die 200 kennengelernt und darüber ist auch sicher noch etwas möglich.

Die Beantwortung dieser Frage ist deshalb für Dich wichtig, weil viele Podcasts und viele Episoden eine erhöhte Last für das Gerät und natürlich die Software bedeuten. Ist der Podcatcher überhaupt in der Lage, so viele Podcasts ohne unschönes Lagging zu verarbeiten? Wie werden die Abos visualisiert? Kann man bei vielen Abos den einzelnen noch finden? Gibt es Suchfunktionen? Macht die App es möglich, auch bei über 100 ungehörten Episoden noch den Überblick zu behalten? Viele weitere Fragen, die sich aus der Antwort ergeben sind essentiell für den täglichen Gebrauch.

2. Hörst Du bewußt oder nur während anderer Beschäftigungen?

Diese Frage wird vermutlich sehr oft mit einem „sowohl als auch“ beantwortet werden. Im Zweifel sollte sich die Frage eigentlich darum drehen, ob Du den Podcatcher oft in Situationen bedienst, in der Du nicht die volle Aufmerksamkeit auf das Gerät lenken kannst. Im Straßenverkehr, beim Joggen, beim Führen einer Rangierlok. Hier ist das UI von entscheidender Wichtigkeit und die Wege, die man gehen muss, um ans Ziel der Hörwünsche zu gelangen.

Hörst Du eher sehr bewußt und steigst sehr tief in das Gehörte ein, möchtest Du natürlich auch mal Kontrolle über die Position in der Audiodatei haben, ggf. die Abspielgeschwindigkeit manipulieren. Oder Du möchtest vielleicht Playlisten anlegen, sowohl manuell als auch automatisierte.

3. Wie wichtig sind Dir Metadaten?

Metadaten? Bin ich Tim Pritlove? Nunja, es gibt ja wirklich Hörer, die auf shownotes stehen. Weil erwähnte Produkte, Programme, Webseiten oder was auch immer mit wenigen Klicks erreicht werden soll. Die Darstellung der Metadaten einer Episode, inklusive Kapitelmarken, ist z.B. für mich ein wichtiger Punkt. Ich nutze Kapitelmarken gerne, wenn auch nicht übermäßig oft. Wie werden Bilder eingebunden, wenn überhaupt? Ist der Podcatcher in der Lage, die teils ausufernd komplizierten Summary-Daten in Episoden darzustellen?

4. Wie aktuell muss es für Dich sein?

Das möchte man natürlich mit „so aktuell wie möglich“ beantworten. Diese Frage ist aber durchaus wichtig, betrachtet man eventuell vorhandene Infrastruktur hinter der App, die den Podcatcher vom Abrufen einzelner Feeds direkt an der Quelle entkoppelt. Werden alle Feeds indirekt über einen oder mehrere Server des App-Herstellers gefüttert, kann es durchaus zu Verzögerungen kommen. Der Vorteil hier ist die Geschwindigkeit der Abfragen, Reduzierung des Traffics am Endgerät und Synchronisierung zwischen unterschiedlichen Geräten.

5. Wie wichtig ist Dir Gestaltung und Nutzerführung?

Das ist vermutlich die religiöseste Frage hier. Es soll Menschen geben, die regelrecht angepisst sind von schlechten Benutzeroberflächen. Von unlogischen Wegen, wechselnden Buttonpositionen und vielleicht sogar schlecht gewählter Typografie. Ich bin solch ein Mensch. Wenn mein Gehirn ständig angworfen werden muss, um den Frechheiten einer inkonsistenten UI auszuweichen, wird der Hörgenuss schnell zur Qual und die App verschwindet im Papierkorb.

6. Wie gelangst Du an neue Podcasts?

Nichts ist nerviger, als der Weg zum Abo eines neuen Podcasts. Das Problem wird zwar seit einiger Zeit durch den wunderbaren Podlove-Subscribe-Button gemildert, wenn nicht sogar gelöst. Aber leider ist der Button noch ein vor allem deutsches Phänomen. Interessant ist also, ob der Podcast ein eigenes Verzeichnis mitbringt oder wenigstens an iTunes angebunden ist. Werden Adressen aus dem Clipboard direkt übernommen? Generell: Wie schwer macht es mir der Podcast, ein neues Abo einzutragen? Kann man gar probehören oder einfach einzelne Episoden importieren, ohne gleich den ganzen Feed abonnieren zu müssen?

Fragen über Fragen und vielleicht habe ich Dich ein wenig zum Nachdenken angeregt. Deine Hörumstände sind Dir vermutlich nicht in Gänze bewusst und Du überdenkst im Zuge des Umstiegs den einen oder anderen davon. Vielleicht wirst Du sogar dazu gezwungen. Ist nicht alles schön hier, das Leben ist kein Pastarestaurant.

Antworten

werde ich in einer kleinen Serie geben, die Alternativen beleuchten und durchleuchten soll. Pocket Casts, Downcast, Podcat, Overcast, Castro und natürlich Apples Podcastapp bieten sich hier an und werden Thema der nächsten Tage werden. Den Anfang wird Pocket Casts machen, ein Podcatcher, der – sagt meine Timeline – einen Blick lohnt.

Während ich daran arbeite, solltest Du in Dich gehen und überlegen, wie Du die Fragen oben beantwortest. Wenn zur Unterstützung Deiner Gedankengänge schreiben musst, das geht vielen Menschen so, dann nutze gerne die Kommentarfunktion dafür.

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  1. Pingback: fiene & 21. juni 2015 | daniel fienes weblog

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