Podcastfrauen

Ich muss gestehen, zum Thema „Frauen in der Podcastproduktion“ habe ich mir bisher wenige, vermutlich sogar gar keine Gedanken gemacht. Ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist oder einfach nur gar keins, ist für mich selbst schwer zu beurteilen.

Letzten Sonntag erschien bei SPON ein Artikel der thematisierte, dass Podcast als Medium in einer Nische steckt und weshalb das so sein könnte. Neben fünf weiteren findet sich dort als erstes dieses Argument:

Viele deutschsprachige Podcasts werden von Männern gemacht und drehen sich um Technikthemen. Das schränkt die Zielgruppe ein.

Nun ist „viele“ ein hinreichend schlecht quantifizierbarer Begriff und schließt auch immer eine Perspektive mit ein. Sicher, selbst meine Liste weist die Kategorie Technik mit 67 Podcasts als die größte in meiner Sammlung aus. Das sagt vor allem etwas über mich und meine Hörgewohnheiten aus. Es wird Menschen geben, für die weniger Technik in ihren Podcastgewohnheiten vorkommt.

Aber Technik ist dann doch eben nicht alles und so ist es auch mit der Frauenbeteiligung eigentlich besser als es zunächst den Anschein hat, wie bereits die Metrolauten feststellen.

Nele Heise hat sich daraufhin die Mühe gemacht, eine Liste deutschsprachiger Podcast mit Frauenbeteiligung zusammen zu tragen. Das Ergebnis haben dann auch Ole Reißmann und Christina Elmer für SPON aufgegriffen und visualisiert.

[Update] Wie John unten in den Kommentaren anmerkt, ist die Reihenfolge eine andere: Erst hat Nele die Liste  verfasst, dann haben die Metronauten drüber geschrieben. [/Update]

Auch hier gilt: Eine Frage der Perspektive. Einerseits ist die Liste länger als ich aus dem Gedächtnis heraus geschätzt hätte. Andererseits muss man sich die absoluten Zahlen ansehen und wird dann feststellen: Es sind in der Tat mehr Männer als Frauen.

Ich selbst habe mir darüber ehrlich nie Gedanken gemacht. Ich war auch nie erstaunt oder habe auch nur einen Gedanken daran verschwendet, wenn eine Frau einen Podcast gestartet hat, der mir sehr gut gefallen hat und über den ich dann erzählt habe. Ob nun Steffi mit Vorgedacht oder Luana, die ihren Opa Harald erzählen lässt, ob Lina Maditas wunderbare Rants in der Fressefreiheit oder der mit erstaunlich viel Erkenntnis für mich geführte n00bcore von Fiona: es erschien mir nie einer Erwähnung wert, dass nun eine Frau einen Podcast begonnen hat.

Wovon ich aber überzeugt bin, sehr fest sogar: Die strukturellen Schwierigkeiten, die unsere Gesellschaft Frauen in den Weg legt, um „gehört“ zu werden, greifen beim Podcasting zunächst nicht. Im Gegensatz zu TV oder Radio gibt es beim Podcasting keine Zugangserschwernisse für Frauen. Mikro schnappen, Aufzeichnen, Veröffentlichen. Es gibt hier keine Vorgesetzten, keine verkrusteten Männerstrukturen, die das verhindern könnten.

Alleine an der Bewerbung durch bekannte Aggregatoren kann es dann wieder hängen. Zwar ist iTunes vom Zugang her sehr frei: So lange der Feed klappt, spricht nichts gegen eine Aufnahme ins Verzeichnis. Aber die Bewerbung auf den Frontseiten wieder ist dann sehr intransparent und vielleicht wieder eine reine Männersache. Das sollte man mal untersuchen. Und wie sieht es mit der Mund-zu-Mund-Propaganda auf z.B. Twitter aus? Führt die Männerdominanz dazu, dass Frauen nicht wahrgenommen und ihre Podcasts nicht verbreitet werden? Sicher untersuchenswert, wenn das denn möglich ist.

Genauso übrigens, wie ich mal meine Bewerbungsgewohnheiten überwachen sollte. Wie sieht es oben in der Featureleiste aus? Neige ich dazu, dort nur Männer unterzubringen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht und muss das mal überprüfen. Momentan stehen dort in der Tat nur Podcasts mit rein männlicher Beteiligung.

Ich persönlich stehe da vor einem Haufen Fragen, von denen ich nicht einmal weiß, ob ich sie überhaupt beantworten muss. Ist da ein Problem, das gelöst werden muss? Ist es ein vielleicht nur ein Problemchen?

Was meint Ihr?

P.S.: wie immer gilt, dass wer sich in den Kommentaren nicht benimmt keine Plattform bekommt. Aber das muss ich ja nicht noch einmal erwähnen, oder?

8 Comments

  1. Oh Gott, bitte lasst den Gender-Wahn aus der Podcasting Welt raus! Kann man den Dingen nicht einfach mal so laufen lassen? Mir ist es völlig egal welches Geschlecht da podcastet. Lasst die Frauen doch mal selbst entscheiden ob Sie da mitmachen wollen. Es wird hier garantiert keine Frau am Podcasten gehindert oder dabei benachteiligt. Sommerloch?!

    • Das ist doch gar nicht, was ich behauptet habe. Im Gegenteil glaube auch ich, dass Frauen an nichts gehindert werden. Vordergründig. Es gibt aber mehr Möglichkeiten etwas zu verhindern, als nur irgendwo ein Stoppschild hinzustellen auf dem steht: „Boys only“. Und genau das zu beobachten, sich da mal selbst zu fragen ob es da noch andere Blockaden gibt, dazu habe ich aufgerufen.

      Mit „Genderwahn“ hat das herzlich wenig zu tun. Ich brauche weder mehr noch weniger Frauen in Podcasts. Wir brauchen mehr intelligente Menschen vor den Mikros. Aber vielleicht sperren wir bewusst und unbewusst einen erheblichen Teil der intelligenzgesegneten Bevölkerung aus. Und wenn wir das abbauen können: voila: Noch mehr Kram zu hören.

  2. Hab mir die Liste mal angeschaut. Sind ja ziemlich viele Podcasts zum Thema Stricken dabei. Scheint das Äquivalent zu den ganzen Apple Podcasts von den Männern zu sein ;)
    Alexandra Tobor haben sie wohl vergessen in der Liste.
    Die hat ja, ähnlich wie Alexa, nach einem gemeinsamen Podcast eine Solokarriere gestartet. Hoffe, daß noch mehr Frauen Blut geleckt haben und bald etwas eigenes starten.
    Über einen eigenen Podcast von Claudia Krell oder Apfelkern würd ich mich jedenfalls auch sehr freuen.
    Und was wirklich fehlt ist eine weibliche Version des Einschlafen Podcast ;)

  3. Kleine Korrektur in der Reihenfolge: Nele Heise hat die Liste gemacht, bevor bei metronaut zum Thema was zum Thema geschrieben wurde.

  4. Pingback: Standardsituationen der Netzkritik | Ole Reißmann

  5. Problematisch ist es meiner Meinung erst dann, wenn sich betroffene Frauen beklagen. Vlt ist es bisher eine natürliche und akzeptable Verteilung der Geschlechter im Podcastwesen. Danke für die interessanten Verweise zum Nachhören.

    • Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, Du hast Dich mißverständlich ausgedrückt. Ist es ein Problem, wenn sich Frauen beklagen, oder merkt man, dass man ein Problem hat, wenn Frauen anfangen sich zu beklagen?

      Manchmal kann Sprache ein echtes Arschloch sein…

      Der Begriff „natürliche Verteilung“ sprengt übrigens gerade mein Gehirn, weil ich nicht so recht weiß, was daran nicht falsch ist. Mit allen Assoziationen, die dieses Wort in meinem Kopf weckt bin ich nicht einverstanden.

      Bei allem habe ich nicht unterstellt, dass es wirklich ein Problem gibt. Ich habe für mich beschlossen das zu beobachten, mich zu beobachten.

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