Hören statt Spielen

Podcasts, in denen es um Spiele geht, sind für mich ja etwas sehr magisches.

Zunächst mal: Es geht um Spiele! \o/ Selbst ein Essig wie ich, so ein lustbefreiter Miesepeter mag Spiele. Ok, ich kann Brettspiele nicht leiden. Ich kann Spiele nicht leiden, in denen Mitspieler wie durch Verwaltungsvorschriften gesteuert spaß- und merkbefreit das Optimum für sich herausholen müssen, um am Ende sagen zu können, sie hätten gesiegt. Kartenspiele! Ein Graus.

Aber wenn ich ich alleine vor meine Spielekiste verkriechen kann (die aktuell noch etwas darnieder liegt) und für mich ganz alleine Welten entdecken und unsicher machen darf, dann kommt in mir der Spielenarr heraus.

Das Problem dabei ist natürlich: Was zum Henker soll ich denn spielen? Vor 30 Jahren, so um das Jahr 1984 herum, als das bei mir losging war die Frage noch recht einfach zu beantworten: Welches System steht bei Dir zu Hause (bei mir: Amstrad CPC), was kannst Du Dir leisten? Heraus kamen pro Jahr vielleicht zwei oder drei sauer zusammengesparte Spiele wie Elite oder Batman. Mein allererstes nicht aus einer Zeitschrift abgetipptes Spiel war übrigens Message from Andromeda. Es war wirklich schlecht. Ehrlich.

Ich hätte die vermutlich 20DM nicht ausgegeben, hätte es damals schon engagierte Spielepodcasts wie zum Beispiel Insert Moin gegeben.

Nun habe ich zwar mein Gamerleben vor ein paar Jahren an den Nagel gehängt (sechs Jahre WoW reichen wirklich), aber hin und wieder packt’s mich dann doch und mit Hilfe der bequemen Resterampe namens Steam kaufe ich mir dann doch ein leicht betagtes Spiel um Geldbeutel und vor allem Gewissen zu schonen.

Vom eigenen Konsum abgesehen, ist es aber durchaus die Entwicklung dieser Spielewelt, dieses Marktes, die mich regelmäßig fasziniert. Das ständige Auf und Ab, die permanenten Richtungswechsel in dem, was ankommt, was gerade erdacht wird und dann das durchaus gnadenlose Abstrafen gestandener Firmen, die heute noch oben stehen und morgen schon von irgendeinem Major aufgekauft werden. Der dann vier Jahre später wieder pleite ist.

Dazu kommen die Plattformen, die Hersteller, die Netzwerke. Jeder ist irgendwie irgendwann mal vorne, dann wieder in der Mitte und ständig wird auf irgendeinen von ihnen ein Abgesang angestimmt. Spannend ist das, was irgendwann in den 80ern Fahrt aufnahm und heute weit aus der Garage herausgekommen ist, um eine milliardenschwere Industrie zu bilden. Ohne seine Wurzel in der Garage zu verlieren, denn unabhängige Produktionen sind nach wie vor Innovationsmotor und Spielwiese.

Uff! Genug der Vorrede, lasst uns zum Thema kommen, zu den Podcasts. Ich werde hier Vergleiche ziehen, die an den Haaren herbeigezogen sind und für Belustigung oder Verärgerung sorgen werden. Ist mir wurst, mir passt es so.

Neben den drölfzillionen Technikpodcasts, bilden Spielepodcasts vermutlich die zweitstärkste Fraktion. Wenn man nicht so engstirnig ist wie ich und Let’s-Plays dazu zählt, würde es mich nicht wundern, wären sie sogar die stärkste.

Für jedes Informationsbedürfnis gibt es in der mir bekannten Medienwelt ein entsprechendes Format. Gleiches gilt für meinen Podcastkonsum zum Thema Spiele. Mit ein paar von diesen Podcasts möchte ich eine kleine Serie starten, die sich durch das Feld der Gamingpodcasts pflügen soll. Here we go!

Insert Moin

Da gibt es für die Befriedigung des Informationsgrundbedürfnisses die Tagesschau, das Morgenmagazin (sucht Euch einen unpassenderen Vergleich) der Gamingpodcasts: Insert Moin.

Jeden verdammten Werktag setzen sich Michael, Daniel und der ursprünglich namensgebende Manu vor die Mikrofone, um zu einem aktuellen Spiel, einem speziellen Thema oder auch einer neuen Konsole ein paar Worte zu verlieren. Oft kommen dabei Gäste aus der großen Welt des Spielepublishings ins Spiel, die aus ihrem Bereich viel zu erzählen haben. Journalisten, PR-Menschen, Programmmierer, andere Podcaster: Sie alle waren schon bei Insert Moin.

Jeden Montag bis Freitag gibt es irgendwann zwischen Mitternacht und Frühstück eine Folge, die im Schnitt (geschätzt) 30 Minuten dauert, mal mehr, mal weniger und wenn es eine neue Playstation gibt, sind es auch mal 90 Minuten. 892 Folgen wurden seit dem 25.11.2010 veröffentlicht, 638 davon unter dem Label „Breakfast At Manuspielt’s“, das ursprünglich vom namensgebenden Manuel Fritsch und Boris „NeoNacho“ Bügling ins Leben gerufen wurde.

Seit der 639 segelt das ganze nicht nur unter neuer Flagge von superlevel.de, sondern wechselte auch noch den Namen nach „Insert Moin“. Aus dem sportlichen Versuch, ein Jahr lang jeden Tag zu podcasten ist eine Institution geworden, die ich aus meinem Podcatcher nicht mehr wegzudenken vermag. Wer drauf steht (wie ich), der hört sich die Folge unbedingt am Vormittag an. Zum Frühstück, auf dem Weg zur Arbeit. Oder – wie ich das schon mal mache – nachts um halb eins, wenn die Folge schon um Mitternacht zur Verfügung steht.

Indie Fresse

Wo wir gerade bei superlevel sind. Herr Fabu sammelt offensichtlich gerne Podcasts und so gibt es nicht nur Insert Moin, sondern auch noch einen Podcast, der dem ursprünglichen Gedanken von superlevel eher entspricht. Dort geht es originär, wer es nicht weiß, um Indiespiele, also Produktionen, die von verarmten, alkoholsüchtigen Programmierern mit abgebrochenem Informatik-, Sozialpädagogik- oder Sinologiestudium auf den Weg gebracht werden. Ähnlich klingt dann auch Indie Fresse, wenn man großzügig darüber hinwegschaut, dass ein Profi namens Marcus Richter (alias @monoxyd) die Truppe zusammenhält und dabei ähnliche Blutgrätschen hinzulegen vermag wie im Chaosradio.  Gekonnt und mit fester, aber rotierender Besetzung nimmt Indie Fresse aktuelle Indieproduktionen unter die Lupe, bespricht Kickstarter und kümmert sich vor allem darum zu entscheiden, was noch indie ist oder nicht ;)

Ob man Indies mag oder nicht, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. In Frage steht für mich nicht, dass man darüber gefühlt deutlich besser berichten kann als über die üblichen A[+++]-Produktionen. Hinter den Spielen stecken noch echte Menschen und gerade mit Crowdfunding bekommt das alles noch einen Gamificationansatz, der Spannung schon vor dem Spiel bietet. Ich müsste lügen, würde ich behaupten, ich hätte vor Indie Fresse diesen Bodensatz der Spieleindustrie beobachtet oder auch nur gekannt. Das hat sich geändert und inzwischen erwische ich mich immer öfter, zumindest die zu kaufen, die  es auf Steam geschafft haben oder von mir in einer Kampagne unterstützt (gebackt ;)) wurden.

Indie Fresse gibt es ungefähr alle zwei bis drei Wochen in Eurem Podcatcher, mal mit mehr, mal mit weniger Gewicht auf einem speziellen Thema. Verpassen solltet Ihr keine Folge, ich tu’s nämlich auch nicht und wenn Ihr nen Tipp braucht, wann und wo Ihr das genießen solltet: Bei ’nem Bier, abends am Küchentisch, wenn Ihr gerade ein gutes Spiel antestet. Echt jetzt!

Ach, wenn Ihr jetzt noch einen TV-Vergleich haben wollt: TTT oder von mir aus Aspekte. Mit den gleichen Drogen wie der Presseclub in den 70ern. Mit Einspielern von Sonneborn.

angespielt

Das Schlagen der Brücken zwischen den hier vorgestellten Podcasts fällt nicht schwer. Eben musste Herr Fabu herhalten, jetzt eben @monoxyd.

Angespielt ist wie die Sondersendung, die zu besonderen Ereignissen bei ARD und ZDF ins Programm genommen wird. Mal mehr, mal weniger geplant, mal metathematisch, mal ganz gezielt zu einem bestimmten Spiel, wobei sich diese beiden Aspekte nicht gegenseitig ausschließen.

Marcus besorgt sich dafür geeignete Gesprächspartner, gerne auch aus den anderen Podcasts und nicht selten landen hier Themen, die in z.B. Indie Fresse aufkamen und nicht ausreichend besprochen werden konnten oder dort schlicht nicht hingehörten.

Die Folgen sind in der Länge irgendwo in der Mitte angesiedelt, geschätzt kommen meist irgendwas um 45 Minuten zusammen und angesichts der grausamen Unregelmäßigkeit des Erscheinens will natürlich jede Folge gehört sein. Wo und wann Ihr das tut ist fast egal, ich höre angespielt meistens im ÖPNV. Warum auch immer :D

Schön finde ich die Spontaneität, die diesem Podcast zugrunde liegt. Es poppt irgendwo ein Thema auf, Marcus schnappt danach und ein paar Tage später gibt es ein angespielt zum Thema. Wie „damals“ zum Aufreger Origins zum Beispiel.

51 Folgen hat der öffentlichrechtliche Spieleexperte Marcus Richter inzwischen auf die Beine gebracht. Wer mir erklären kann, wo die fließenden Grenzen zwischen seinen spielelastigen Produktionen (Indie Fresse, angespielt, diverse Radiosendungen) liegen, bekommt ein Bier ;-)

Stay Forever

Das Ende dieser ersten kleinen Folge zum Thema Gamingpodcasts möchte ich mit dem Historychannel beenden, mit dem Guido Knopp unter den Spielepodcasts.

Natürlich: Christian Schmidt und Gunnar Lott. Zwei Veteranen des Spielejournalismus, die sich in aktuell erfreulich kurzen Abständen wirklich alte Spiele vornehmen, in alten Erinnerungen graben und das dann Stay Forever nennen. Mit erschreckend gutem Gedächtnis sind die zwei ausgestattet oder zumindest mit einem verdammt großen Archiv. Man merkt zwar, dass die Folgen geschnitten sind – und ich vermute nicht nur, weil die zwei altersgemäßg öfter auf’s Klo müssen – aber darüber kann man getrost hinweghören.

Wer wie ich Anfang der 70er geboren wurde und Anfang der 80er ins Spielegeschäft eingestiegen ist, wird jede Folge mit viel Genuss und einem gruseligen Schaudern hören. Nie kommt aber zu kurz, den Bogen vom besprochenen Spiel zur Einordnung in die Entwicklungsgeschichte der Spieleproduktion zu schlagen. Woher kam das Spiel? Welche Entwicklung nahm die Spieleschmiede, die das Spiel entwickelte? Welche Auswirkungen hatte das Spiel auf das Genre?

Die besprochenen Spiele sind irgendwo zwischen den 80ern und 90ern angesiedelt, wobei im Moment ein Schwerpunkt in den 90ern liegt. Das bringt den erfreulichen Vorteil mit sich, dass nicht nur die Spiele „komplexer“ sind, die besprochen werden. Es gibt mehr zu erzählen, mehr Story, mehr Mechanik und deutlich differenziertere Spielprinzipien. Und um ehrlich zu sein: an die 90er erinnert man sich ja vielleicht doch besser als an die 80er. Wir werden alle nicht jünger :-)

Stay Forever ist einer dieser Podcasts, die bei mir absolute Priorität genießen. Wenn eine Folge aufschlägt, wird erst diese gehört, bevor irgendwas anderes gehört wird. Vorausgesetzt, es ist irgendwann am Feierabend, die Bude ist ruhig und ein Glas Bier hilft dabei, Erinnerungen weichzuspülen.

Aber vergesst den Gedanken, dass hier „früher war alles besser“ angesagt ist. Gunnar und Christian betreiben einen knallharten Realitäts- und Erinnerungsabgleich, der auch mal sehr schmerzhaft sein kann. Nicht alles war besser und vieles von damals wäre nicht nur heute schlecht, sondern hatte auch damals Lücken, an die wir uns nur heute nicht mehr erinnern. Dennoch: es tut gut, die eigenen, diffusen Gedächtnisfetzen geordnet zu bekommen. Das machen die zwei wirklich großartig und ich habe bis heute keine Folge verpasst. So schwer ist das dann aber wiederum nicht, 30 Stück gibt es bisher, deren Länge irgendwo zwischen einer und zwei Stunden schwankt.

Muss ich noch erwähnen, dass Ihr Stay Forever im Podcatcher haben müsst? Ja? Abonnieren! Unbedingt!

Und jetzt?

Jetzt ist erst einmal gut für heute. Es gibt noch viele Podcasts, die das Thema „Spielen“ beackern. Viele von diesen habe ich noch gar nicht auf dem Schirm. Ich bin eben auch nur ein einzelner Hörer und mein Tag dauert auch nur 24 Stunden (so ungefähr, fragt @astrodictium nach den Details ;).

Ich bin nicht sonderlich gut im Schreiben, auch wenn es mir Spaß bereitet. Betrachtet diese kurze Auslassung über Spielepodcasts also als einen Anstoß zum Reinhören, einen kurzen Leitfaden. Erwartet aber bitte keine tiefe Auseinandersetzung mit den Details der Produktionen. Wer Fehler findet, korrigiere mich bitte, wer anderer Meinung ist, tue das kund oder schweige für immer.

Für den Rest gilt: Spaß haben!

8 Comments

    • Ach komm… Spieleveteranen kommen sicher noch, ist ja eine Serie. Zockersalat ist mir tatsächlich nicht bekannt.

  1. Diese vier Podcasts gefallen mir auch sehr gut, obwohl ich vom Hipsterblog Superlevel ja nicht so viel halte.

    (Spieleveteranen höre ich auch, allerdings primär aus sentimentalen Gründen. Der Erkenntnisgewinn tendiert gen Null.)

  2. „Ach, wenn Ihr jetzt noch einen TV-Vergleich haben wollt: TTT oder von mir aus Aspekte. Mit den gleichen Drogen wie der Presseclub in den 70ern. Mit Einspielern von Sonneborn.“

    Wir sollten Dennis dringend das Bier wegnehmen. Oder mehr geben. <3

  3. Die Plauschangriffe von GameOne und/oder Gregor sind latürnich nicht zu vergessen (und zudem um Längen besser als der Zockersalat).

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