Die Drossel: Neue Chancen für Podcaster

Wie nicht anders zu erwarten, hat die große deutsche T gestern bekannt gegeben, dass irgendwann in naher Zukunft, wenn niemand mehr darüber redet, DSL-Zugänge der Telekom nur noch bis zu einem bestimmten „integrierten Highspeed-Volumen“ mit der vollen, beim Nutzer möglichen Geschwindigkeit nutzbar sind.

Dass dies eine für den Hochtechnologiestandort Deutschland wegweisende Entscheidung ist, haben viele Netzteilnehmer nicht verstanden. Zu erlesen ist das hier oder hier oder hier oder hier.

Diese Entscheidung war längst überfällig. Sie wurde 5 vor 12 getroffen, kurz bevor das Internet wie wir es kennen endgültig verstopft und unbrauchbar wurde. An allen Ecken und Enden werden wertvolle Kupferleitungen über Gebühr gefüllt durch unnütze Zeitvertreibe wie Porno, Spiele oder Übertragungen aus Enquetekommissionen. Dagegen vorzugehen bedeutet, Deutschland im Wettbewerb mit anderen resourcenarmen Ländern einen Schritt nach vorne zu bringen. Neue Ideen, neue Geschäftsfelder, neue Kundenkreise eröffnen sich, von denen gestern noch niemand zu denken auch nur wagte.

Sie denken jetzt sicher: „Was faseln die da?“. Dem möchten wir entgegen halten: Schon mal darüber geärgert, dass eine Podcastfolge, die gerade mal 30 Minuten dauert ewig im Download hängt, weil mit einem lausigen Encoder ein 100 MByte großes 192kbit-MP3 erzeugt wurde, das dann am Ende doch klingt, als hätten zwei besoffene Eisbären in einer Unterführung des Wuppertaler Bahnhofes nach Ladenschluss ein Paarungsritual vollzogen?

Jahaa! Das kennt jeder. Aber konkrete Maßnahmen ergreifen will dann doch wieder niemand. Ein wenig Gemaule hier, ein paar Ein-Sterne-Rezensionen bei iTunes dort und vielleicht ein schlecht gelaunter Kommentar im Blog des Podcasts… Das reicht nicht!

MP3! Liebe Podcaster! Weg damit! Hört eh nur noch, wer einen iPod oder AmigaOS hat. Unnütze Metadaten im Feed? Feedburner macht’s vor und sperrt alles oberhalb eines halben Megabytes! Außerdem: RFC5005! Nicht immer den gleichen Zinober runterladen!

Und wer richtig sparsam sein will und seinen Hörern volumenfreundlichen Hörgenuss über die Drossel hinaus(!) bieten möchte, für den ist ab sofort Opus oberste Podcasterpflicht!

Deshalb vergibt die Hörsuppe ab sofort das

Siegel für volumenfreundliche Podcasts

vfpDieses Siegel vergeben wir ausschließlich auf Antrag für jeden Podcast. Dabei gibt es unterschiedliche Stufen, die wir mit einem Farbsystem kodieren:

vfp_gelbGelbes Siegel: Es wird ein Opus-Feed angeboten.

vfp_blau

Blaues Siegel: Es wird ein Opus-Feed angeboten, ein MP3-Feed existiert nicht (mehr).

vfp_gruen

Grünes Siegel: Es wird ein Opus-Feed angeboten, ein MP3-Feed existiert nicht (mehr), unnütze Metadaten (Kapitelmarken, Mailadressen, erklärende Texte oder gar Shownotes) werden nicht angeboten.

vfp_rotRotes Siegel: Leider ist dieser Podcast noch nicht auf dem neuesten Stand und kann für volumenfreundlichen Genuss nicht empfohlen werden.

Das volumenfreundliche Siegel der Hörsuppe wird nur auf Antrag vergeben. Vor Vergabe wird eine Antragsgebühr[2] fällig.

Welches Siegel vergeben wird, entscheidet ausschließlich die Jurorenkommission des deutschsprachigen Podcastgremiums. Ein Siegel ist jederzeit neu beantragbar, sollte der Podcaster der Meinung sein, dass sich etwas an der Situation geändert hat. Natürlich ist dann eine neue Antragsgebühr[2] zu entrichten.

Ein Siegel verliert jedoch in jedem Falle ein Jahr nach Vergabe seine Gültigkeit und ist danach nicht mehr zu verwenden. Damit möchten wir verhindern, dass auf alter Grundlage vergebene Siegel weiterhin genutzt werden und so den Wettbewerb verzerren. Zur Weiterführung des Siegels muss zwei Monate vor Ablauf ein neuer Antrag gestellt werden, verbunden mit einer neuerlichen Zahlung der Antragsgebühr[2].

Darüber hinaus gibt es zwei Sondersiegel, die nur auf ausdrücklichen Wunsch und nach Zahlung einer zusätzlichen Antragsgebühr[2] ausgestellt werden:

vfp_silberSilbernes Siegel: Wie grünes Siegel, jedoch mit der Auflage, jede Folge auf maximal 7,5 MByte je volle Stunde Audiomaterial zu begrenzen.

vfp_vioViolettes Siegel: Wie grünes Siegel, jedoch mit der Auflage, jede Folge auf maximal 5,0 MByte je volle Stunde Audiomaterial zu begrenzen. Zusätzlich muss auf der Webpräsenz auf WordPress verzichtet werden. Wir empfehlen den firtz oder gleich auf den Verzicht einer Webseite. Ein Feed muss reichen!

Die Überprüfung der Premiumsiegel silber und violett müssen je erschienener Episode erfolgen und erfordern natürlich einen deutlichen Mehraufwand für die Prüfkommission. Dieser Mehraufwand schlägt sich jedoch nicht nur in den Kosten[2] nieder, sondern bietet dem Hörer Ihres Podcasts eine dauerhafte Sicherheit, nicht bereits Mitte des Monats wieder in den 90ern des Internetzes anzukommen.

Das Siegel für volumenfreundliches Podcasten bietet jedem Podcast die einmalige Möglichkeit, auf die neuen Gegebenheiten des deutschen Internetmarktes zu reagieren und seinen Hörern einen Mehrwert über die Wissensvermittlung und Unterhaltung hinaus zu garantieren.

Darüber hinaus lassen sich so aus der enttäuschten Gemeinde der Youtuber[tm] neue Hörer generieren, neue Einnahmequellen öffnen sich so von ganz alleine, die Telekom treibt Ihnen Ihre Kunden geradezu in die Arme. Sie müssen sie nur jetzt öffnen und die Gelegenheit nutzen!

Natürlich bieten wir Ihnen über die Siegel hinaus eine fundierte Fachberatung, die Ihren Podcast auf den Stand der Technik bringt, unnötigen Ballast entfernt und dürstende Telekomkunden eher gestern als morgen in Ihre Kundenliste spült.

Bestellen Sie schon heute und sie bekommen als Bonus darüber hinaus auch Kunden aus dem neunten Ring der Edgehölle von O2 und eplus kostenfrei hinzu!

Werden Sie jetzt aktiv und beantragen Sie schon heute das Siegel für Ihren volumenfreundlichen Podcast!

Die Hörer werden es Ihnen danken. Wir auch!

[2] Gebührenordnung:
Einmalige erste Antragsgebühr: 200€
folgende Antragsgebühren: 199€
Antragsgebühren silber/violett: 400€
Überprüfung einer Episode silber/violett: 50€
Fachberatung nach individueller Angebotsanfrage

Kontakt bitte ausschließlich per Mail unter volumensiegel@hoersuppe.de

10 Comments

  1. Sehr gut. Ich fordere außerdem volumenfreundliche Fassungen direkt in 1,5 und 2,0-facher Geschwindigkeit fertig encodiert. Wieso soll ich mir 90 Minuten Audio runterladen, wenn ich es ohnehin in 60 Minuten höre? Da kann man die gebeutelte Podcatcher-Infrastruktur gleich mit entlasten. Das ganze natürlich für die alle Mediendateien und jeweils auch als ein Feed bitteschön!

    • Eine wirklich brillante Idee! Vielleicht könnte man sogar wagen, ausschließlich einen 2x-Feed anzubieten, der dann ggf. langsamer abgespielt wird.
      Auf jeden Fall hast Du Dir einen Platz in der Jurorenkommission verdient! Willkommen!

  2. Wenn Du ein Regenbogensiegel anbieten könntest (in je 5MB dieses Podcasts werden mindestens 3 Parteien, auf jeden Fall aber Parteien sowohl mit und ohne Regierungsverantwortung verunglimpft), würde ich ja darüber nachdenken. Aber so? Nee!

    Im übrigen: ich weiß ja nicht, ob ich mit dem Einschlafen Podcast so viele Nicht-Nerds anspreche wie ich glaube, aber auf meine Frage letztens, wer eigentlich noch MP3 braucht, kamen doch sehr viele Meldungen. Insofern bekomme ich eh maximal das gelbe Siegel, und das mag ich nicht.

    PS: sehr cooler Text, mal wieder, danke!

  3. Ich fordere Veröffentlichung im Textformat und Ausgabe per Sprachsynthese. Damit werden auch die Nörgeleien um schlechte Tonqualität ein für alle Male beendet. 5 Stunden mobileMacs per Amiga „say“ is the future.

    Und die Luxusvariante im MOD-Format: Die 31 am häufigsten auftretenden Worte werden jeweils als Instrument gesampelt und per Tracker zusammengestellt.

    • ----------------------------------
      +--------------------------------+
      + unable to find narrator.device +
      +      please insert devs:       +
      +--------------------------------+
      +  [OK]               [CANCEL]   +
      ----------------------------------
      
  4. Wäre möglicherweise ein Siegel für „inhaltliche Komprimierung“ machbar. Wenn im Podcast Füllwörter wie „und“, „oder“, „aus Gründen“ (bei den WikiGeeks) oder gar das Lachen von Holgi bei NSFW (macht ja Schätzungsweise 20% des Podcasts aus) weggelassen werden, könnte die Filegröße weiter reduziert werden.
    Weiters beantrage ich eine Weiterentwicklung der Podcatcher. Ein dezentraler Cache am Gerät würde Jingles, Begrüßungen, Teiler uvm. überflüssig machen. Eine einfache Referenz zu dem im Cache gespeicherten File verringert weiter die Podcastgröße. Dies könnte soweit gehen, das alle Worte im Cache liegen und die Software diese nur noch der Reihe nach zusammenbaut. Alternativ wäre denkbar den Podcast als transcript (aber nur als kompirmiertes TXT File) zu veröffentlichen und diesen von Siri oder einer anderen TTS Software vorlesen zu lassen.

  5. Genial. Das Episodenpacket könnte man dann ja wie früher per Post versenden. Ganz so wie früher die schönen Disketten für den C64er oder auch Amiga. Da könnte eine ganz neue Scene entstehen.

    Aber noch was. Ich würd ja unheimlich gern meine ganzen Podcast Abos auf OPUS umstellen. Nur gibt es einen Podcatcher für Android der das dann auch abspielen kann?

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