Wenn es dieser Tage um das Thema “Podcasts in iTunes” geht, dann lese ich allenortens vor alleim eins aus den Zeilen heraus: Gefühle. Wer hätte das gedacht?
Worum geht’s denn eigentlich?
iTunes in der ersten iOS6-Beta lässt den Eintrag “Podcasts” vermissen. Daraus wird die Vermutung abgeleitet, dass es eine eigenständige Podcast-App von Apple geben würde, ähnlich der Verfahrensweise zu iTunes U, das ursprünglich auch in iTunes zu finden war.
Nun bin ich eigentlich denkbar ungeeignet, über iTunes zu schreiben. Mein iPhone habe ich seit drei Monaten, iTunes habe ich vorher – zu recht – gemieden. Mein Wissen um diese Geschichte ist bestenfalls angelesen, schlechtestenfalls geraten.
Dennoch: Die Reaktionen auf alles, was mit Podcasts und iTunes zu tun hat erstaunt mich immer wieder auf’s Neue. Das schwankt irgendwo zwischen Hoffen, Betteln, Wünschen über desillusionierte Gleichgültigkeit hin zu Zynismus und spöttischem Hohn.
Vielleicht ist das meine Berechtigungskarte, darüber reden zu dürfen, denn was könnte mir Windows-Nutzer gleichgültiger sein als iTunes? Wenig. Windows 8 vielleicht ;-)
Nicht, dass ich das nicht nachvollziehen könnte. 2005 hob Apple das Podcasting mit iTunes in das Licht der Öffentlichkeit. Nur hat sich seitdem wenig getan. Die sinnvollen und löblichen Erweiterungen, die iTunes in die Feeds brachte sind da noch die positive Seite.
Nun fehlt in der ersten iOS6-Beta der Abschnitt “Podcasts” und an vielen Stellen im Netz findet man Gerüchte über eine eigenständige Podcast-App. Niemand kann hellsehen und deshalb werde ich mich hüten zu behaupten, dass das völliger Unsinn sei. Ich kann nur so recht nicht erkennen, weshalb Apple, die in iTunes das Podcasting eher vernachlässigen plötzlich eine eigenständige App aus der Taufe heben sollte, für die ein Mehraufwand nötig wäre, der in der Redaktion anscheinend eher vermieden wird.
Schaut man sich nämlich die redaktionellen Seiten zum Podcasting in iTunes an, stößt man auf ein Bild der Verwahrlosung. Ich behaupte, dass bis auf die paar gestalteten Top-Slots alles irgendwie automatisiert erstellt wird. Das erkennt man bestens an der Rubrik “Top aktuell”, in der man immer wieder auf Podcasts stößt, die seit Monaten nichts veröffentlicht haben. Oder auch in den Charts, in denen viele Podcasts oben mitmischen, die ebenfalls eher den Eindruck machen, bereits tot zu sein.
Es fällt mir schwer das Apple vorzuwerfen. Apple ist eine Firma, die in allererster Linie dafür zu sorgen hat, dass sie Geld einnimmt. Podcasts können in diesem Zusammenhang allenfalls mittelbar als Teaser und Lockmittel wirken. Ansonsten dürften Podcasts wohl nur auf der kaufmännischen Soll-Seite zu finden sein.
Mal ganz davon abgesehen also, dass ich es für unwahrscheinlich (aber nicht unmöglich) halte, dass es eine eigenständige App für Podcasts geben wird, sehe ich darüber hinaus keinerlei Vorteile für die Podcastgemeinde.
Weder für Hörer noch für Podcaster.
Hörer, die mehr als nur drei oder vier Folgen irgendeines Podcasts im Monat hören, sind mit einer “richtigen” App wie instacast oder downcast unter iOS oder podkicker unter Android besser bedient. Hier sind Menschen am Start, die deutlich flexibler und schneller reagieren und umsetzen können, als dies Apple nur im Ansatz möglich wäre. Oder könnt Ihr Euch vorstellen, dass Apple Leute zu den Podlove-Meetings schickt? ;-)
Wer jedoch nur alle paar Wochen mal irgendwo reinhört, dem reicht ein rudimentäres Interface in iTunes und ist mit Sicherheit mit dem Status Quo zufrieden.
Auch den Podcastern hilft das nicht. Überhaupt nicht, möchte ich behaupten, denn die Integration in iTunes ist eine wunderbare Möglichkeit, Neuhörer zu bekommen, die mit dem Medium Podcast noch nicht in Berührung gekommen sind, aber iTunes nutzen, um Musik, Video und Co. zu konsumieren.
Wer weiß, wieviele Hörer über den neugierigen Klick auf “mehr” zu Podcasts gelangt sind, dies aber nie würden, müssten Sie dafür explizit eine App nutzen?
Sicher, das ist alles gemutmaßt, geraten, gefühlt (haha). Und um wieder den Bogen zum Anfang zu finden, die Geschichte mit den Gefühlen: Da hat Apple 2005 das Podcasting als Medium in die Öffentlichkeit gehoben und das derlei gepäppelte Kind seitdem mehr oder minder alleine gelassen. Oder es zumindest im Unklaren darüber, ob es noch geliebt wird. Und nichts schmerzt mehr, als keine Aufmerksamkeit zu bekommen.
Was übrigens einen nicht unerheblichen Teil des Erfolges der Hörsuppe erklärt…
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(wollte ich schon immer mal machen)Tim erzählt gerade bei NSFW, dass die Rubrik “Neu und beachtenswert” zumindest teilweise dadurch zustande kommen könnte, dass Mitglieder einer nicht näher beschriebene Mailingliste befragt werden.
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[update] Ingo Ebel schreibt mir, dass man auf diese Liste käme, wenn man selbst schon mal bei iTunes gefeaturet wurde.[/update]
Das Gerücht über separate App ist ein besonders hübsches Beispiel dafür, wie Apple-Gerüchte umgehen. Da gibt es eine ‘people familiar with…’-Meldung, die dann wünscht, dass es eine App geben möge, und die ganzen Gerüchterstatter springen da drauf. Die Frage ist also, wie gut die Quelle dahinter sein mag, und da wird’s schnell sehr dünn.
Noch lustiger finde ich ja die angeblichen Außenteile vom angeblichen iPhone 5. Die riechen zu sehr danach, als hätte da jemand Renderings gebaut. Aber Beweise hab ich logischerweise keine.
Die Annik Rubens hatte mal was im letzten Jahr in ihrem Podcast über die neu und beachtenswert Rubrik erzählt.
Wäre es nicht wahrscheinlicher eine eigene Podcast-App zu erwarten, wenn die Kategorie “Podcast” auch aus dem Player verbannt worden wäre? Ich glaube nicht dran. Lassen wir uns überraschen. ;)